„Europa
vermitteln“ - Europapolitisches Bildungsseminar
am 2./3. Juni 2007 in Potsdam
Europa
kommt bei seinen Bürgern nicht an. Man kann trefflich darüber
streiten, was geringer ist: Wissen oder Interesse. Woran aber
liegt es, dass wir nach 50 Jahren unsere Nachbarn noch immer
nicht kennen und die EU eher mit Bürokratie und Hindernissen
als mit ihren Freiheiten assoziieren?
Diese
Frage stand im Mittelpunkt des europapolitischen Bildungsseminars
„Europa vermitteln“ am 2. und 3. Juni 2007 in Potsdam. Angesprochen
waren Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren. Im Seminar wurde
danach gefragt, wie die an der Kommunikation Europas Beteiligten
– die europäischen Institutionen ebenso wie die Medien und die
Öffentlichkeit – ihre jeweilige Rolle ausfüllen, wo es gut läuft
oder aber hakt. Die Veranstaltung war Teil des Projektes „Hilfe
Europa!“ der Gesellschaft der Europäischen Akademien e.V. im
Rahmen der „aktion europa“ der Bundesregierung.
Am
ersten Seminartag standen die Vorträge der Referenten und die
darauf folgende Podiumsdiskussion im Vordergrund. Dr. Lutz Kleinwächter,
Vorsitzender des Vereins WeltTrends e.V., stellte den Gegensatz
eines Europa der Eliten und eines Europa der Bürger in den Mittelpunkt
seiner Ausführungen. Wie auch die anderen Referenten forderte
er, dem Bürger ehrlich zu vermitteln, wo eigentlich die Finalität
Europas läge und was seine Ziele seien. Der Brandenburgische
Europaabgeordnete Norbert Glante stellte in einem kurzen und
durchaus selbstkritischen Referat dar, inwieweit das Europäische
Parlament bzw. die einzelnen Abgeordneten zur Vermittlung Europas
beitragen und wo es Mängel gibt. Widerspruch erntete seine Position
in Bezug auf die Rolle der Medien durch den Ressortleiter Politik
der Märkischen Allgemeinen Zeitung, Ralf Schuler. Dieser vertrat
die Auffassung, Zeitungen sollten vor allem das Interesse ihrer
Leser im Blick haben. Von deren Seite jedoch sei die Nachfrage
nach Europathemen verschwindend gering. Oft sei das geringe
Platzangebot auch durch „lebensnähere“ Themen aus der Lokal-
und Regionalpolitik schlichtweg belegt. Glante jedoch forderte
den Journalisten auf, bestimmte Aussagen kritischer zu hinterfragen
und …
Helmut
Markov, Europaabgeordneter der Linksfraktion, erklärte sich
bereit, für die Zeitung regelmäßig Beiträge zu europapolitischen
Themen zu erstellen und auch seine Kollegen aus dem Europaparlament
dazu zu bewegen. Er kritisierte vor allem die fehlende Bürgernähe
Europas und sprach sich vehement für mehr Bürgerentscheide aus.
In der Frage, ob die Bürger tatsächlich ad hoc in der Lage wären,
über zum Teil komplizierte europapolitische Themen mit zu entscheiden,
war er sich mit einigen Teilnehmern uneins. Sie sahen die Gefahr,
dass derartige Befragungen zu sehr durch regionale und nationale
Fragestellungen überlagert würden.
Am zweiten Seminartag war die aktive Teilnehme der Jugendlichen
gefragt. Unter dem Titel „Europavisionen 2025“ setzten sie sich
individuell mit (hypothetischen) Situationsbeschreibungen zur
Europäischen Union in der Zukunft auseinander und bezogen kritisch
Position. Um den Teilnehmern den Haushalt der Union spielerisch
näher zu bringen, wurden sie selbst zu EU-Haushältern, die 100
symbolische Cent auf verschiedene Haushaltspositionen zu verteilen
hatten.
Die
jugendlichen Teilnehmer äußerten sich insgesamt positiv zu den
vermittelten Inhalten. Auch Themen, die von den Referenten z.T.
in abstrakter Form angerissen wurden, konnten im Gruppengespräch
erneut aufgegriffen werden, so dass Begrifflichkeiten geklärt
und Fakten in ihre entsprechenden Zusammenhänge eingeordnet
wurden. Auch Teilnehmer ohne den entsprechenden fachlichen Hintergrund
wurden so nicht „abgehängt“. Die kleine Gruppengröße ermöglichte
einen intensiven Austausch und die Einbeziehung Aller. Der Kontakt
mit den Europaabgeordneten half, Berührungsängste abzubauen
und zu erkennen, dass auch diese „nur Menschen“ sind. Thematisch
herrschte am Ende eine gewisse Ratlosigkeit, weil von Seiten
der Referenten ein wenig optimistisches Bild in Bezug auf das
öffentliche Interesse an Europathemen gezeichnet worden war.
Aus dem persönlichen Umfeld war den Jugendlichen dieses fehlende
Interesse ebenfalls bewusst. Und auch die vergleichsweise geringe
Teilnehmerzahl machte dies deutlich. Gleichzeitig wollte keiner
der Teilnehmer hinnehmen, dass der Status Quo nicht zu ändern
sei. Im Gegenteil bekräftigten die Teilnehmer die Absicht, ihre
zum Teil vorhandenen Aktivitäten zur Vermittlung des Themas
Europa fortzusetzen. Hierzu konnten durch den intensiven Austausch
wertvolle Anregungen in Bezug auf die Methodik gegeben und neue
Kontakte hergestellt werden.
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